Was ist Mindfulness?

© by Eva Fink Photography
Mindfulness oder Achtsamkeit ist eigentlich nichts Besonderes. Und trotzdem ist es eine Art Superkraft. Wie kann das sein? Eigentlich geht es „nur“ darum unsere Aufmerksamkeit bewusst lenken zu können. Wir wissen wie Aufmerksamkeit funktioniert, wir richten ständig unsere Aufmerksamkeit auf verschiedenste Dinge aus. In einem Gespräch richten wir unsere Aufmerksamkeit auf unser Hören und auf unser Sehen, die Worte werden fast automatisch identifiziert und zu einem sinnvollen Inhalt zusammengesetzt, damit wir die andere Person verstehen können. Das fällt uns leichter in einer leisen und ruhigen Umgebung und viel schwerer in einer lauten und unruhigen Umgebung. Wir müssen unsere Aufmerksamkeit viel stärker auf das Gespräch konzentrieren um dem Inhalt folgen zu können. Es fällt uns auch schwerer uns auf das Gespräch zu konzentrieren, wenn wir andere Gedanken in unserem Kopf haben, die uns von dem Gespräch ablenken. Wir wechseln ständig zwischen unseren Gedanken, meistens Sorgen und Ängste, und dem Gespräch hin und her.

Wir sind nicht wirklich anwesend und nehmen an dem Gespräch nur mit unser halben Aufmerksamkeit teil. Das ist nicht nur anstrengend und für unseren Gesprächspartner irritierend, es beraubt uns auch der Möglichkeit in eine echte Verbindung mit unserem Gegenüber zu gehen. Und so geht es uns bei allem was wir tun. Sei es ob wir Frühstücken, Zähneputzen, auf dem Weg zu Arbeit, Emails schreiben, beim Sex, unter der Dusche, etc., etc. Wir machen irgendetwas und plötzlich tauchen da Gedanken auf, die wir nicht kontrollieren können und die in gewisser Weise ihr Eigenleben haben. Das mag bei manchen Tätigkeiten egal sein, aber wir wissen dass es Momente gibt, in denen es unsere volle Aufmerksamkeit braucht, sei es wenn wir Zeit mit unseren Kindern oder Partnern verbringen oder einen sehr wichtigen Termin haben. Manchmal können wir uns es uns einfach nicht leisten unaufmerksam zu sein, und wir sind es trotzdem.

Wir berauben uns der wunderbaren Tiefe, die jeder Moment zu bieten hätte, sei es wenn wir etwas Wunderbares essen ohne es richtig zu schmecken, jemanden umarmen ohne es wirklich zu spüren, mit jemandem sprechen ohne ihn wirklich wahrzunehmen. Wir tun das ständig, unbewusst, die ganze Zeit.

„Es geht nicht darum irgendwo hinzukommen, sondern voll und ganz da zu sein. Ganz wir selbst zu sein.“

Jetzt müssen wir uns aber nicht dafür verurteilen, den so geht es den meisten Menschen und nicht erst seit ein paar Jahren oder Jahrzehnten, sondern schon seit Jahrtausenden. Es ist die Natur unseres Geistes von einem Gedanken zum nächsten zu springen, sich zu verlieren, von irgendetwas abgelenkt zu werden und wieder einem neuen Gedanken hinterherzulaufen. Verstärkt durch eine immer lauter werdende Welt mit immer komplexeren Themen kann es einem schon so vorkommen als würde jemand in unserem Kopf Ping-Pong spielen. Das ist es, was man unter dem buddhistischen Begriff „Monkey Mind“ versteht. Ein unruhiger Geist, der ständig von äußeren Reizen hin und her geworfen wird. Was hat Mindfulness mit all dem zu tun? Mindfulness beschreibt die Fähigkeit unsere Aufmerksamkeit bewusst zu lenken und auf einem bestimmten Objekt halten zu können. Klingt jetzt wahnsinnig theoretisch. Um was es eigentlich geht? Es geht darum uns mit all unserer Aufmerksamkeit auf das zu konzentrieren zu können, was gerade jetzt wichtig ist. Herzhaft in einen Apfel beißen und schmecken wie herrlich dieser Apfel schmeckt. Voll und ganz bei deinen Liebsten zu sein und zu sehen wie ihre Augen leuchten, wenn wir ganz und gar bei ihnen sind. Zu Duschen und die warmen Tropfen auf unserer Haut zu spüren. In den Wald zu gehen und den Wald mit all unseren Sinnen zu erfahren. Zu lachen und zu tanzen und die Freude in unserem ganzen Körper zu spüren. Menschen zu treffen und wunderschöne Gespräche zu führen. In den wichtigen Momenten mit all unserer Aufmerksamkeit da zu sein. Unser Leben als Mensch mit all seinen Möglichkeiten zu leben. Nichts Besonderes. Aber einfach alles. Das ist Mindfulness.

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